Vereinsfahrt am 04.10.2014 - Burg Sternberg und Burgruine Polle unter besonderer Berücksichtigung der Eversteinschen Fehde
Ein Bericht von Cornelia Müller-Hisje

Ein strahlend schöner Herbsttag begrüßte die Teilnehmer der Vereinsfahrt ins Nordöstliche Lipperland und an die Weser. Frank Huismann übernahm, fachkundig begleitet von Dr. Elke Treude, die Reiseleitung.

Erstes Ziel war die Burg Sternberg, die lippische Burg, die immer gern vergessen wird, weil sie heute eher abseits der Hauptverkehrswege liegt. Im Mittalter war jedoch die heutige B 66 eine wichtige Handelsverbindung zwischen der Hansestadt Lemgo und Hameln an der Weser, wenn auch sicherlich nicht so bedeutend wie der Hellweg. Mächtig und trutzig thront die Burg auf dem Berg. Beeindruckend war schon der Blick vom Eingang über das weite Land, dessen Horizont im leichten Frühnebel verschwamm.

Die Sternberger Grafen spalteten sich vom Haus Schwalenberg ab. 1243 ist erstmals die Rede von „H. nobilis de Sterrenbergh“. Die Burg wird zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden haben, es gab sogar schon einen einfachen Vorgängerbau, etwas versetzt zur heutigen Burg. Durch Verpfändung kamen die Edelherrn 1400 zunächst in den Besitz Barntrups und Salzuflens, 1405 dann der gesamten Grafschaft. Die Anlage wurde nur selten von den Lippern selbst bewohnt. Meist wurde sie verpfändet. Noch heute ist zu erkennen, dass die Burg eine starke Wehranlage war. So konnte sie 1447 während der Soester Fehde den Belagerungen durch die böhmischen Söldner des Erzbischofs von Köln stand halten. Insbesondere die Vorburg hat viele Umbauten, bedingt durch Nutzungsänderungen, erfahren. Zuletzt wurde sie 1949/50 erneuert. Sie bedarf heute einer Modernisierung, um die Gebäude zeitgemäß nutzen zu können. Das ehemalige Rendantenhaus wurde saniert und wird als Restaurant/Café genutzt. Der heutige Gastraum beeindruckt durch sein mächtiges Gewölbe und die dicken Mauern. Die Oberburg wurde in den vergangenen Jahren durch den Eigentümer, den Landesverband Lippe, sorgfältig saniert und modernisiert. Interessante historische Details harmonieren mit moderner Funktionalität.

Frank Huismann gelang es, den Teilnehmern einen ausgezeichneten Eindruck von der ehemaligen Nutzung der Burg zu vermitteln. Die Geschichte des Bauwerkes ist vielfältig und umfangreich und bestätigt die eingangs getroffene Feststellung, dass die Burg Sternberg die am meisten unterschätzte Burg in Lippe ist. Sie ist unbedingt einen Besuch wert, wobei auch das Instrumentenmuseum interessante Schätze birgt.

Auf dem Weg von der Burg Sternberg zur Burgruine Polle wurde bei strahlendem Sonnenschein vor der Kilianskirche in Lügde eine Pause eingelegt. Nach der Stärkung bot Frank Huismann eine Kurzführung durch die Kirche an, deren Ursprünge in die karolingische Zeit reichen. Die Fahrt nach Polle war dann für viele Teilnehmer eine Fahrt durch unbekanntes Land. Der lippische Osten ist manchem kaum vertraut, so dass hier sogar der Weg schon seine eigenen Reize hatte.

Die Burg Polle war von 1404 – 1409 umkämpfter Mittelpunkt der Eversteinschen Fehde. Im Hochmittelalter erstreckte sich die Grafschaft Everstein beiderseits der Weser zwischen Holzminden und Aerzen. Der kinderlose Graf von Everstein schloss mit dem lippischen Edelherrn Simon III. einen Erbverbrüdungsvertrag, den die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg nicht hinnehmen wollten. Herzog Heinrich wurde von den Lippern gefangenen genommen und auf die Falkenburg gebracht. Das von den Lippern geforderte Lösegeld wurde vom Papst als unseriös gebrandmarkt, die Lipper mit dem Bann belegt und der Braunschweiger aus seinem geleisteten Eid gelöst. Dieser begann nun die Fehde gegen die beiden Verbündeten und, gemeinsam mit vielen weiteren Nachbarn der Lipper, den Krieg in Lippe. Detmold, Horn und Blomberg sowie viele unbefestigte Orte wurden geplündert und gebrandschatzt. Nur die Falkenburg hielt stand. Der Graf von Everstein hatte die politische Dimension seines Vertrages völlig unterschätzt. Er gab die Grafschaft dann an die Herzöge ab.

Die Lage der Burgruine oberhalb der Weser mit Blick über deren Flusslandschaft und der idyllische Ort Polle sind allein schon eine Reise wert. Das umfassende Wissen von Frank Huismann belebte die gar nicht so toten Mauern umso mehr.

Die Vereinsfahrt 2014 war wieder einmal eine rundum gelungene Sache, bei der dieses Mal sogar das Wetter bis zum letzten Moment mitspielte. Die Teilnehmer waren nicht nur Mitglieder des Vereins, sondern auch externe Interessierte, die diese Rundreise unter kompetenter Führung und fürsorglicher Versorgung genossen haben.